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Im weißen Gold der Côte d’Azur

Dennis Tracht 25.04.17 KÜSTE / SEE AUSLAND

Wenn selbst Habichte ihren Horst nicht verlassen… 

von Bernd Genath

Îles d’Hyères in Südfrankreich. Im linden Spätherbst erleuchten teils zarte, teils kräftige mediterrane Farben die Landschaft, wie kunstvoll arrangiert. Die Natur in der Provence schminkt sich nicht ab… Mit solch romantischem Schwärmen könnte in der Mehrheit der Jahre das regionale Verkehrsbüro feinfühlig Wassertouristen verlocken. Mitunter deckt sich allerdings die Realität nicht mit der erwarteten Normalität. Vor allem was „lind“ angeht. Aber was soll’s, c’est Chartern, c’est Sailing.

Auf der Armbanduhr stand der 27. November. Eine milde Wärme umschmeichelte uns. Die Pullover hatten wir ausgezogen, entspannt legten wir uns in die Polster zurück. Aus Lautsprechern quollen sanft gefühlvolle französische Chansons. Wir summten mit. Charles Aznavour und Juliette Greco… So begannen die acht vor uns liegenden Tage: Chartern im Spätherbst in Südfrankreich, in den Îles d’Hyères in der Provence an der Côte d’Azur. Adieu nass-kaltes deutsches Schmuddelwetter.

Draußen, außerhalb der Polster, tobte ein Schneesturm. Wir saßen bei hochgedrehter Heizung in den Autosesseln. Luxemburg hatten wir bereits schlitternd hinter uns gelassen, links sollte jetzt die Kathedrale von Metz auftauchen, doch hatte der Himmel einen dichten, grauen Vorhang zwischen uns und seiner Immobilie gezogen. Die Schneedecke nahm zu. Wir fuhren gen Süden und doch nicht in den Süden. Nicht in das Klima, das man mit Süden verbindet. Wir fuhren in Triste und Kälte. Die Vorhersagen hatten uns zwar dieses Wetter angedroht, aber erstens irren die schon mal und zweitens: Ändern konnten wir es ohnehin nicht. Vertrag ist Vertrag. 

Im Kofferraum lagen Wintersachen, eine elektrische Heizung – in der Hoffnung, dass die Steckdosen an den Stegen noch am Netz hingen – und in den Kulturbeuteln Husten- und Schnupfenpräparate. Die Streufahrzeuge vor uns und hinter uns bestimmten das Tempo. Dort, wo schon Salz und Sand die Fahrbahn entglättete, durfte es schneller, wo noch frischer Schnee leuchtete, musste es langsamer sein. In der Nähe von Langres, wo sich die E 21 von Deutschland und Luxemburg mit der E 17 von Paris trifft, rutschten wir auf den Parkplatz eines Landhotels, stapften durch Schneewehen zur „Accueil“ zur Anmeldung und tasteten uns gegenseitig stützend über einen vereisten Verbindungsweg zum Kaminfeuer-Diner im Nachbargebäude.

Eine andere Realität

Segeln in Frankreich November/Dezember. Als wir einige Monate zuvor den Chartervertrag unterschrieben, gingen wir von südfranzösischer zeitgemäßer Klimaanmut aus. Die besteht zwar in der Regel aus einem kräftigen Mistral, doch auch aus klarer Sonne, Lufttemperaturen selten unter 15 Grad und Wassertemperaturen von 16 bis 18 Grad, die es noch zulassen, vorsichtig von der Badeplattform im Heck in die erträgliche Kühle einzutauchen. Zumindest die Beine. Viele Male hatte uns der Wettergott in der Wintersaison solche Verhältnisse beschert. In jenem Spätherbst entschied er sich anders. Die Realität hielt sich diesmal nicht an der Normalität.

Die weiße Schneedecke auf Böschung, Wiesen und Felder begleitete uns bis Toulon. Kein Vogel kreiste in der eiskalten Luft. Selbst der robuste Bussard und der ebenso robuste Habicht, die im Sommer hoch über der Autobahn auf überfahrene Beute lauern, hatten sich in ihre kuscheligen Horste verkrochen.

Der Yachthafen Port Pin Rolland empfing uns ebenfalls noch mit Frost draußen, aber überraschend angenehmen Temperaturen in der „Harmony 42“. Der mitfühlende Hafenmeister hatte einige Stunden zuvor einen Elektroofen hineingestellt. Heizungen gehören an der Côte d’Azur nicht zur Standardausstattung von Charteryachten. Die gebräuchlichen Diesel- oder Petroleum-Warmluftgebläse, die an Ijsselmeer, Nord- und Ostsee dem Stegnachbarn mit ihrem Auspuffbrummen die nächtliche Ruhe rauben, kennt man hier nicht. Um es gleich vorweg zu nehmen, an fast allen Stegen lag Strom, mit Ausnahme von Port Cros. Dort musste mithin ein Pullover mehr die Steckdose ersetzen. Das Thermometer war allerdings auch schon auf 5 oder 6 Grad über Null geklettert.

Die Yacht-Marke „Harmony“ war uns bis dato unbekannt. Sie stammt von der Werft Groupe Poncin. Die produziert neben den „Harmony“-Typen schnelle Motorboote („White Shark“) und Segelkatamarane („Catana“). Mit den „Catana“-Modellen von 13 bis 28 Meter sieht sie sich als einer der weltweit führenden Anbieter von Luxuskatamaranen. Die „Harmony“-Serie aus dem noch jungen Unternehmen aus der Nähe von La Rochelle – gegründet erst 2005/2006 – umfasst solide gebaute Boote bis16 Meter Länge. Unsere „42“ hatte gutmütige Eigenschaften. Trotz ihrer 10 Tonnen lag sie relativ leicht auf dem Ruder und stampfte bei Kurs gegenan nicht. Gelassen tauchte sie in die Wellen und hielt uns so weitgehend trocken. Weitgehend. Der „Harmony“-Riss ähnelt den Beneteau- und Jeannau-Booten. Irgendjemand sagte mal, die Hauptaktionäre seien miteinander verwandt…

In Kaisers neuen Kleidern

Nebenbei, es genügt nicht, einen x-beliebigen Charterer anzurufen, um an der französischen Küste im Winter zu segeln. Die meisten Boote stehen ab Oktober aufgebockt an Land oder in der Halle, private wie Mietschiffe. Wir mussten lange rumtelefonieren, bis uns schließlich Nautic-Tours in Haltern am See ein Angebot zuschickte. Eine Woche zum Totalpreis von rund 1.400 Euro auf einem 42-Fuß-Schiff – der Saison-Ausklang macht’s möglich. Wobei Saison-Ausklang tatsächlich den Kern trifft: Bei der Rückgabe hörten wir, dass unsere „Harmony 42“ eine Woche später ebenfalls aus dem Wasser sollte.

Port Pin Rolland: Der Yachthafen gehört zum kleinen Fischerdorf Saint-Madriner-sur-Mer – den Quellen nach eine Gründung ostgotischer Siedler im 13. Jahrhundert – auf der Halbinsel Cepet vor den Toren der Stadt La Seyne-sur-Mer in der Bucht von Toulon. Die Verbindung zum Festland bildet auch heute noch nur eine schmale ehemalige Sandbank, jetzt freilich befestigt und bebaut. Wir hatten etwas von über 1.000 Liegeplätzen gelesen. Selbst  die verstecken sich schwer auffindbar in den Rissen der Küstenlinie der riesigen Bucht von Toulon. Der natürliche Schutz der Nischen und Felsen machte die Bay schon vor Urzeiten zum mächtigen Kriegshafen.

Eines der Hafenhandbücher gibt die Richtung vor: „Auf einer östlichen Route ab Port Pin Rolland erreicht der Yachtcharterer schnell die schönen Inseln der Hyères: die Île d’Porquerolles, die Îles des Port Cros sowie die Île d’Levant….“ Die beiden ersteren stehen seit den 1960er-Jahren unter Naturschutz, unter strengem Naturschutz, auf der letzteren, der Île d’Levant dagegen haust die Amoral. Na ja, genau genommen wissen wir es nicht. Das natürliche christliche Schamgefühl und die Kälte im November/Dezember verhinderten einen Abstecher nach Helipolis. Denn: Der Ort im Osten der Insel gilt als ältestes Nudistendorf Europas. 1930 entkleideten sich hier die ersten Freikörperkulturer und richteten sich eine Bleibe ein. Wie gesagt, nach solch absoluter Blankheit war uns bei der aktuellen Temperaturlage von wenig über den Gefrierpunkt wirklich nicht zumute.

Im Tal der Seealpen

An Wetterinformationen mangelt es nicht. Im Stundenrhythmus meldet „Meteo France“ für die nächsten zwölf Stunden die zu erwartenden örtlichen Richtungen und Stärken. Die Literatur an Bord nennt die Frequenzen. Die Prophezeiungen stimmen. Wenn Beaufort 6 bis 8 vorhergesagt waren, kommen Beaufort 6 bis 8 – beinahe auch immer zu jenen Stunden, die „Meteo France“ ankündigte. Im Schwachwindfenster davor navigiert’s sich relativ „commode“.

Unser Kurs in den acht Tagen reichte von Toulon über die Îles d’Hyères bis Cavalaire und zurück. An Kurslinie gemessen mögen das vielleicht total 200 Seemeilen gewesen sein. Doch sagt die Länge des Seewegs nichts über seine Ruppigkeit aus. An Schlaglöchern mangelte es nicht.

 Wikipedia beschreibt dieses Archipel sehr nüchtern: „Die Îles d’Hyères sind eine französische Inselgruppe im Mittelmeer, der Côte d’Azur bei Hyères vorgelagert. Wegen der golden schimmernden Klippen werden sie auch als Îles d’Or (Goldinseln) bezeichnet. Die drei Hauptinseln Porquerolles, Port-Cros und Île du Levant haben zusammen eine Fläche von etwa 28 Quadratkilometer … Die Hyèrischen Inseln sind geologisch eine Verlängerung des Bergmassivs auf dem Festland, dem Massif des Maures, von dem es vor etwa 20.000 Jahren der steigende Meeresspiegel abtrennte.“ Wir segelten mithin in Wasser gefüllten Tälern der Seealpen, der aktuell weißen Seealpen. In den Iles d’Or blanc.

Die 20 Seemeilen von Toulon in Richtung Osten nach Porquerolles schob uns ein mäßiger Wind. Dick vermummt verschanzten wir uns hinter der Sprayhood, wichen jedem eiskalten Tropfen aus, der mehr zufällig als stürmisch heranfflog. Die unregelmäßige Kontur Porquerolles’ präsentierte uns sowohl ihre Nord- als auch ihre Südflanke. Das steile südliche Kap wäre der südlichste Punkt Frankreichs wenn es Korsika nicht gäbe. Kap Bonifacio auf jenem Eiland liegt dem Äquator noch näher.

Ein Hauch von Karibik

Wir landeten in einem haitianisches Paradies: trotz Schnee in den nahen Bergen des Festlands mild, exotisch, geruchvoll. Das einzige Dorf auf der acht Kilometer langen Klippe mit einem wunderschönen Hafenpanorama erlaubt noch eine zweite Parallele zur Karibik: Es galt zu Jack Sparrows Zeiten und seiner „Black Pearl“ als Piraten- und Schmugglernest. Als geistiges Bild flackert diese harsche Romantik beim Blick auf die kleine, kantige Kirche am Place d’Armée auf. So alt mag sie gar nicht sein, aber ihr Baustil ähnelt den Gotteshäusern in den Genre-Filmen, mit der Glocke im Turmausschnitt zentrisch über der Eingangstür, die den Korsaren und Freibeutern zur Beichte läutete und den gefangenen spanischen Granden zur letzten Stunde.

 

1971 überzeugte Madame Pompidou ihren Mann, den französischen Staatspräsidenten George Pompidou, die Insel im Namen des Staates zu kaufen. Er stellte sie unter den Schutz des Staatlichen Instituts für Meeresbotanik, und das wiederum sorgt dafür, dass die täglich anstürmenden Touristenströme dem Charme der Insel nichts antun können. Beinahe alles ist verboten: Verlassen der Wege, offenes Feuer, Erklettern des Leuchtfeuers … Nein, in dieser Bemerkung schwingt keine Ironie mit. Die Behörde geht einen konsequenten Weg zum Erhalt der Natur. Das, was gestattet ist, reicht allemal, um ausreichend über die Pracht der Vegetation zu staunen. In der Vergangenheit erklomm man ohnehin das Semaphon und überanstrengte die Augen nur, um das 200 Seemeilen entfernte Mallorca nicht zu entdecken. Eine vergebliche Seh-Übung, die sich genauso gut und erfolglos am Fußpunkt des Turms exerzieren lässt. 

Die Pracht der Vegetation: Pinien und kolossaler Eukalyptus mit einem Umfang von einigen Metern prägen die Landschaft, ohne einer üppigen mediterranen Flora den Raum zu nehmen. Die Sommeliers der Michelin prämierten Häuser etwa schwärmen von den Reben der 200 Hektar Weinberge. Sie sollen einen absoluten Spitzenwein hergeben – wir hielten uns jedoch am „Pression“ der Brauerei Kronenbourg. Schon deshalb, weil die geschlossene Vinothek nicht zum Degustieren einlud.

Der Schatz der Schatzinsel

Romantik pur. Heide, Erdbeerbäume und Myrten säumen die Sandstrände, im kaum besiedelten Landesinneren betört der stehende Duft der Kiefern und Steineichen. Und selbst im Herbst schwirren blau und golden funkelnde Insekten über vergrünten Tümpeln.

Die Fähre von der Stadt Hyères auf dem Festland hält direkt neben der alten Festung „La Tour“. Die Passage dauert vielleicht eine Stunde. Doch nimmt der Pendelverkehr gegen Jahresende ab: mehrheitlich versiegelte Kneipen und Restaurants, ein Lebensmittelhändler, der ein paar Stunden am Tag aufmacht, die man kennen muss, kein Fahrradverleih – aber hundert Meter vom Steg der andere Schatz der floristischen Schatzinsel Porquerolles: das „L’Escale“. Das schließt anscheinend nie. 

In früheren Jahren hatten wir mal einen halben Winter hier verbracht. Na ja, halber Winter mag übertrieben sein, es ging mehr in Richtung drei oder vier Tage, als der Mistral so heftig blies, dass wir Porquerolles nicht verlassen konnten und die ganze Zeit am Kaminfeuer im „L’Escale“ Skat klopften. Schwarzer, beißender Rauch aus nassem Holz hüllte uns und die Gaststube damals ein, wenn eine Orkanbö durch den Kamin fegte. Gegen den lästigen Hustenreiz kämpften wir beharrlich mit dem erwähnten Kronenbourger an, was wegen der unausbleiblichen Übermedikamentierung unangenehme Nebenwirkungen offenbarte… 

Das Thermometer kletterte. Drei Grad Celsius am Abend, fünf Grad Celsius am nächsten Morgen. Geplant war eigentlich nur ein kurzer Schlag zur Nachbarinsel Port Cros im Windschutz des Bergrückens, gleichgültig ob Mistral oder nicht Mistral. Die beschauliche Vormittagsbrise, die zum provenzalischen Festland wehte, diktierte uns eine andere Richtung: hinüber nach Cavalaire. Diesen beliebten Ferienort, durch den sich im Sommer eine endlos lange Autokolonne gen Cannes und Nizza windet, hatten wir sowohl als Wendepunkt unseres Törns als auch als Ausgangspunkt zu einem Landausflug nach Saint Tropez im Plan. Port Cros schwamm uns nicht weg, dort würden wir auf der Rückreise festmachen. 

Die Stadt auf halber Strecke zwischen Marseille und Nizza bot uns den Luxus der freien Liegeplatzauswahl, ohne den Zwang zum römisch-katholischen Parken quer zum Steg mit Buganker und Heckleine. Eine Kneipe zu finden erwies sich indes auch in Cavalaire als Schnitzeljagd. Wenn die Franzosen im Spätherbst die Côte d’Azur abschließen, schließen sie sie gründlich ab. 

Von Cavalaire zu Brigitte Bardot 

Die Gäste mit typisch dunklem südfranzösischem Teint im schließlich entdeckten Bistro unterhielten sich in einer fremden Sprache. Weder klang es französisch, noch klang es algerisch-arabisch. Ein Dialekt? Irgendwann klärte man uns auf. An der Cote d’Azur lebt wieder das Okzitanische auf. Das verbirgt sich unter anderem im Namen des traditionsreichen Weinbau-Gebiets Languedoc: Language d’Okzitental. Diese galloromanische Mundart herrschte bis ins späte Mittelalter im Süden Frankreichs vor. Die französischen Könige und Regierungen unterdrückten sie lange Zeit. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts erneuert sie sich wieder.

Mit ihr lebt auch viel altes Brauchtum auf, ein Brauchtum, das seine Ähnlichkeit mit spanischer Kultur nicht leugnen kann und leugnen will. Das Okzitanische reicht von der Provence bis Katalonien. In jener iberischen Region am Fuße der Pyrenäen, mit Barcelona als Hauptstadt, genießt es den Status einer offiziellen Amtssprache, neben dem Spanischen. Die französischen Behörden gehen nicht soweit. Doch mussten sie 1999 gemäß der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprache Okzitanisch als Minderheitensprache anerkennen. Deutschland kennt ja mit dem Friesischen und  dem Sorbischen ähnliche Bestrebungen, einem Kulturkreis einen Teil seiner früheren Identität wiederzugeben. 

Saint Tropez per Leihwagen: Espresso im „Le Café“ am „Place des Boules“, Mantelprobe mit und an Janina in einer der Boutiquen, Pfauenbesichtigung im Park der Zitadelle, drei von fünf Millionen Touristen sein, die jährlich den 4.000-Seelen-Ort überschwemmen – und der bis heute den Charme eines südfranzösischen Fischerdorfs behalten hat. Trotz – natürlich – Brigitte Bardot, Gunter Sachs, Carl Lagerfeld, Louis de Funès, Tahiti-Plage, den Malern Matisse, Bonnard, David Hockney oder dem Dirigenten Herbert von Karajan. Für jeden, der hier unten schon mal segelt, sollte Saint Tropez ein Muss sein. Das Kleinod liegt gerade mal eine Autostunde von Cavalaire entfernt. 

In Windeseile nach Port Cros

Kristall-glitzernde Sonnenstrahlen in aufgewühlter See hellen das Angstgefühl im Boot auf, düstere, regenschwangere Wolken verdunkeln es wieder. Auf den gerade mal 12 oder 15 Seemeilen von Cavalaire nach Port Cros bei Windstärke 7 bis 8 wechselten mit dem Licht die Gefühle. Die „Harmony 42“ indes litt nicht unter Stimmungen. Sie surfte stabil die Wellen hinunter, erwies sich als ordentliches Seefahrzeug. Gischt, die der eintauchende Bug hochschleuderte, lief uns kalt den Rücken herunter. Trotz Ölzeug. Doch hielt sich der Stress zeitlich in Grenzen. Mit Windeseile trieb uns der Mistral über den ruppigen Sund zwischen Festland und den Îles d’Hyères in den Naturhafen von Port Cros. 

Nässe steckte in uns, am Anleger lag kein Strom. Gott sei Dank regnete es nicht mehr. Warm machte uns der Marsch hinauf auf die Höhen des Nationalparks. Wie schon gesagt, bildet er mit Porquerolles ein zusammenhängendes Schutzgebiet. Da der Sturm gepeinigte Landflecken von etwa 20 Quadratkilometer schon seit über hundert Jahren nicht mehr landwirtschaftlich genutzt wird, hat ihn der Wald fast vollständig zurückerobert und ein Dach für 530 Pflanzenarten geschaffen, darunter einige, die ausschließlich auf diesem Eiland vorkommen sollen.

Ein wahrhaftiges Pflanzen-, Vogel-, Kriechtier- und Meerestier-Paradies. Meeresbiologen bemühen sich, die vom Aussterben bedrohte Mittelmeer-Mönchsrobbe hier wieder heimisch zu machen. Ornithologen sichteten 114 Vogelarten, vom Alpensegler bis zur Provence-Grasmücke. Auf aufgewärmten Felsen sonnen sich der europäische Halbfinger-Gecko und sein Bruder, der Blattfinger-Gecko. Wer über die feuchte Wiese am Rand des Strands in der Hafenbucht stapft, kann mit etwas Glück den scheckigen Sardischen Scheibenzüngler auf der Jagd nach Insekten beobachten. Dieser Lurch fühlt sich ganz besonders im Brackwasser an der Grenze Meer/Bach wohl.

Auf Port Cros wetterten wir noch einen Mistral ab, bevor wir uns auf den Weg zurück nach Port Pin Rolland machten.

Côte D’Azur im Spätherbst – kein entspanntes, aber spannendes Segeln.

                                                               

     

Blick von Port Cros über eine vorgelagerte Klippe nach Porquerolles ganz im Hintergrund links
Mistral mit Schneeflecken
Lavendelfeld – die Provence abseits der Badeorte
Haus mit Natur
Porquerolles im Spätherbst - Temperatur 4 Grad Celsius
Rauchen kann teuer werden
Warme Gemütlichkeit im L’Escale auf Porquerolles
Hinter dem Horizont liegt Mallorca
Cavalaire
Ein rauer Schlag
Die einzigen Wohnhäuser auf Port Cros
Der Sardische Frosch ist nach Port Cros ausgewandert
Die Iles d’Hyères liegen östlich von Marseille

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